Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus

Nein! Ich meine nicht den deutschen Bibliothekartag. Gewiß nicht.

Wenden wir uns mal den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zu. Die da wären: Fußball. Und Fußball. Und: Fußball! Besonders natürlich in Zeiten großer Turniere. 2005 bin ich nach Österreich gegangen. Die WM im eigenen Land habe ich dadurch verpaßt. Statistisch betrachtet habe ich zwar noch eine reelle Chance, das in diesem Leben nachholen zu können. Aber da man ja nie weiß, ist es nur gerecht, daß ich jetzt wenigstens die EM gewissermaßen vor der Haustür mitnehmen darf. Die ihre Schatten vorauswirft. Am Samstag durfte ich erhebliche Zeit damit zubringen, nach meiner Marktfrau zu fahnden – sie (oder sagen wir weniger dramatisch: ihr Stand) war den Vorbereitungen für das Public Viewing zum Opfer gefallen.

Vor ein paar Tagen sah ich ein Auto mit österreichischem Kennzeichen und gleich 2 deutschen Fahnen. Ein österreichischer Deutschlandfan! Na so was, und das bei dieser Vorrundenkonstellation – das war mein erster Gedanke. Ach Quatsch, ein deutscher Gastarbeiter wie du – das war der zweite. Meinen dritten wage ich kaum niederzuschreiben: Wie das wohl wäre, wenn auch mein Fröschlein … mit Deutschlandflagge ausstaffiert? Und das als alte Linke. Huh. Aber nicht länger als ein paar Sekunden, Ehrenwort. Man wird halt zur Deutschen im Ausland, da kann man machen, was man will. Wechseln wir also lieber mal schnell zum vierten Gedanken: Und wenn es mir gelänge, eine niederländische Fahne zu ergattern … ? Das wär doch was. Und politisch ganz unverdächtig. Die sollen schließlich endlich mal wieder was reißen bei einem großen Turnier. Heute dann: vor dem Supermarkt ein Gefährt mit türkischer Flagge. Und vor dem Schwimmbad: gleich drei italienische Fahnen an bloß einem Auto. Da soll ihre Anzahl wohl kompensatorische Zwecke erfüllen.

Mein sehr überschaubarer österreichischer Bekanntenkreis teilt sich derweil in die nach dem Prinzip Hoffnung lebenden Optimisten (mein Nachbar), in resignierte Pessimisten (der Kioskbesitzer, dem ich täglich mit mehr oder weniger Erfolg eine Frankfurter Rundschau zu entreißen versuche) und in illusionslose Realisten (meine Arbeitskollegen). Die im Ergebnis natürlich mit den Pessimisten fusioniert werden können.

Wie auch immer: noch 3 Tage!

2 Antworten zu „Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus“

  1. Büchereierlei sagt:

    Meine bisherige Rekordsichtung – ein Auto mit
    - 4 Deutschlandfähnchen links
    - 4 Italienfähnchen rechts
    - 1 Piratenflagge oben hinten auf der Antenne

    Fensteröffnen war hier nicht mehr möglich und kein Schiebedach vorhanden. Ob der eine Klimaanlage hat?

  2. Mopumasi sagt:

    tja also – ich kann dagegen halten: einen Balkon mit 5 Fahnen, und darunter KEINE österreichische, obwohl in A gesichtet…

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